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Die völkerrechtswidrige Entführung 

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   Gemeinhin ist die Öffentlichkeit der Auffassung, dass Entführungen von Personen, die von staatlichen Organen oder mit direkter bzw. indirekter Billigung von Staaten erfolgen, Relikte aus dem Mittelalter sind oder von sogenannten "Bananen- Republiken" durchgeführt werden.

   Wer einen Blick in die Literatur wirft, stellt aber fest, dass solche Vorgänge, wenn auch selten, durchaus auch in Mitteleuropa eine Methode sind, Verfolgung von Menschen, meistens unter dem Mantel der Strafverfol- gung, stattfinden.

   Aus juristischer Sicht ist die völkerrechtswidrige Entführung ein komplexes Thema und die Beurteilung eines Vorfalls dieser Art muss auf den Einzelfall abgestellt werden, da sich bei diesen Taten verschiedene Rechts- kreise, wie Völkerrecht, Völkervertragsrecht (Auslieferungsrecht), Völkergewohnheitsrecht, Menschenrechte, innerstaatliches Recht bzw. Strafrecht überschneiden. In extremen Fällen, wenn z.B. Staaten die Auslieferung von des Massenmords oder von vergleichbaren schweren Delikten verdächtiger Personen verweigern, wird auch die Entführung dieser Personen als legitimes Mittel angesehen. Im übrigen geben aber die Staaten der zivilisierten Welt vor, die Souveränität und Gebietshoheit anderer Staaten zu achten und sich streng an zwischenstaatliche Vereinbarungen, wie z.B. Grenzverträge, das Schengener Abkommen und das europäische Auslieferungsabkommen zu halten.

   Der Tatbestand der klassischen völkerrechtlichen Entführung liegt vor, wenn eine Person gegen den Willen des Gebietsstaates in einen anderen Staat verbracht wird. Eine völlig andere Frage sind die Rechtsfolgen einer solchen Aktion aus der Sicht der involvierten Staaten, aber auch aus der Sicht der betroffenen Person.

   Im folgenden wird zur näheren Beleuchtung des Falles "Löffler" auf einen umfassenden und auf den aktuellsten Beitrag in der juristischen Literatur zur völkerrechtswidrigen Entführung verwiesen. Es handelt sich um die Dissertation "Die völkerrechtswidrige Entführung und ihre Rechtsfolgen" von Stephan Wilske, die an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen (1997/98) entstanden ist und u.a. relativ ausführlich auch den Fall "Löffler" behandelt. Diese Dissertation ist als Band 52 der Tübinger Schriften zum internationalen und europäischen Recht im Duncker & Humblot-Verlag (Berlin) im Jahr 2000 veröffentlicht worden. Soweit aus dieser Arbeit zitiert wird, wird dieses angezeigt, in dem auf den Verfasser Wilske verwiesen wird. 

   Zum deutsch- österreichischen Grenzabfertigungsabkommen, das vor dem Beitritt Österreichs zur EU 1995 und bis zum Beitritt Österreichs zum Schengener Abkommen am 1.04.1998 galt, heißt es in der vorgenannten Dissertation (Wilske, S. 36 ff) unter Bezug auf die Festnahme von D. Löffler am 25. Juli 1994 an der Grenz- und Zollstation Großgmain:

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